Politik und freie Schulträger wollen die Inklusion gemeinsam gestalten

Gemeinsam wollen sich Landespolitik und die Träger der freien Schulen im Land den Herausforderungen stellen, die die Inklusion insbesondere für die kirchlichen und privaten Träger nach der Änderung des Schulgesetzes 2015 bereit hält. Das betont Staatssekretär Volker Schebesta im Gespräch mit mehr als 50 Vertreterinnen und Vertretern aus freien Regelschulen und SBBZ. Er hebt die Bedeutung der freien SBBZ hervor, die ein Drittel des gesamten Angebots im Land bereithalten. Sein Parteikollege Raimund Haser (CDU) stellt fest, dass in einigen Regionen das vollständige sonderpädagogische Angebot durch freie Träger bereit gestellt werde. Schebesta lobt außerdem die Vorreiterrolle der privaten SBBZ bei der sogenannten „umgekehrten Inklusion“.

Als künftige Aufgabe für die Schulverwaltung beschreibt der Staats­sekretär die konsequente Verzahnung der öffentlichen und privaten Strukturen. Dies ist vor allem geboten, um eine umfassende Beratung der Eltern zu ermöglichen. Elternvertreterin Petra Vecchio kennt viele Fälle, in denen Eltern nur unzureichend über die Fördermöglichkeiten für ihre Kinder informiert wurden. Das gesetzlich garantierte Wahlrecht bedeute in der Praxis nicht immer, dass Eltern gründlich informiert zwischen gleich­wertigen Angeboten abwägen können. Judith Skudelny, Generalsekretärin der FDP, betont, Personalknappheit und fehlende Kapazitäten dürften nicht dazu führen, dass das Elternwahlrecht beschränkt werde.

Der Fachkräftemangel ist für staatliche wie freie Schulen gleichermaßen ein Problem. Qualifizierungsangebote, die z.B. für Hauptschullehrer aufgelegt wurden, sind für Lehrerinnen und Lehrer, die nicht im staatlichen Schuldienst sind, jedoch kaum zugänglich. Erfolgreichen eigenen Qualifizierungsangeboten der freien Träger fehlt bisher die staat­liche Anerkennung. Gerhard Kleinböck (SPD) lobt die Eigeninitiative der freien Träger. Er verweist außerdem darauf, dass auch in den staatlichen Einrichtungen die Kapazitäten fehlen, um die erforderliche Zahl an Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen auszubilden.

Eckhard Geier (Evangelisches Schulwerk) und Michael Löser (AG Freier Waldorfschulen) weisen nachdrücklich auf die Finanzierungslücke bei der Beschulung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf hin. Aus staatlichen Zuschüssen wird für diese Kinder zwar die sonderpädagogische Förderung für drei bis acht Schulstunden in der Woche finanziert; es gibt für sie jedoch keinen Zuschuss für die Beschulung im Klassenverband, u.a. für die Kosten der Klassen- und Fachlehrer. Das bedeutet, dass die neu geregelte Privatschulfinanzierung ausgerechnet den Schülerinnen und Schülern mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot nicht zugutekommt. Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin der Grünen, erkennt das Anliegen der freien Schulen an und sieht die Notwendigkeit, dieses Thema zum Gegenstand weiterer Gespräche und Verhandlungen zu machen.